Arbeitsgruppe „Stadttauben“

Die Arbeitsgruppe Stadttauben setzt sich neben der Versorgung von hilfsbedürftigen Tauben auch auf politischer Ebene für das Wohl der Tiere ein.

Das Ziel der AG ist es, für unsere Stadt Halle (Saale) ein tierschutzgerechtes Stadttauben-Management zu etablieren, mit Hilfe dessen das Tierleid deutlich gemindert und die Stadttaubenpopulation mittelfristig reduziert wird.

Logo der AG Stadttauben

Statt die Stadttauben auf grausame Art in Drahtkörben zu fangen oder zu vergiften fordern wir die Errichtung von offenen Taubenschlägen, in denen die Tiere mit Futter und medizinisch versorgt werden. Zudem werden zur Reduktion der Fortpflanzung die Eier der brütenden Tiere durch Gipseier ersetzt. Als AG Stadttauben treten wir in Kontakt mit der Stadt Halle (Saale), den ansässigen Wohnungsgenossenschaften und Immobilienbesitzer, um sie über tierschutzgerechte Möglichkeiten zu informieren und sie bei der Umsetzung zu unterstützen.

Wenn Sie sich von Stadttauben belästigt fühlen oder hilfebedürftige Tiere sichten, zögern Sie bitte nicht, uns zu kontaktieren.

Im Folgenden haben wir ein paar weiterführende Informationen für Sie zusammengefasst. Ausführliche Angaben zum Thema finden Sie auch auf den Internetseiten des Deutschen Tierschutzbundes e.V. unter https://www.tierschutzbund.de/information/hintergrund/artenschutz/voegel/stadttauben.

Tauben sind Haustiere

Stadttauben sind die Nachkommen entflogener Haus- und Brieftauben, die der Mensch vor Jahrtausenden als Fleisch- und Eierlieferant, Produzent von Düngemittel und Briefbote aus der Felsentaube gezüchtet hat. Stadttauben sind also keine Wildtiere, sondern Haustiere, die wir im Stich lassen, mit Netzen vertreiben, mit Spitzen auf Simsen und Dächern sowie Klebepasten abwehren, vergiften, wie Ungeziefer verscheuchen und als Krankheitsüberträger beschimpfen. Dabei ist die gesundheitliche Gefährdung durch Tauben nicht größer als die durch andere Zier- und Wildvögel oder Haustiere. Tauben sind weitaus intelligenter als viele vermuten und können sogar menschliche Gesichter wiedererkennen. Dass sie sich in Innenstädten stark ausgebreitet haben, liegt an ihrer über Jahrzehnte angezüchteten Abhängigkeit vom Menschen und dessen Lebensraum. Als Folge dieser Überpopulation leiden viele Tauben unter Mangelernährung, Hunger und Krankheiten.

Die hohe Brutaktivität von Tauben ist durch gezielte Zucht genetisch bedingt und keine Folge von einem reichen Futterangebot. Die Tiere zeugen das ganze Jahr über Nachwuchs und reagieren bei der Zerstörung von Gelegen mit einer neuen Brut. Eine Studie an Taubenschlägen zeigte, dass sogar unter- und mangelernährte Tauben weiterhin Eier legen und Küken ausbrüten. Allerdings können sie den Nachwuchs nicht mehr ernähren und die Küken sterben im Nest. Nach ihrem Tod versuchen es die Tauben mit der nächsten Brut, ein Teufelskreis.

Der Mensch, das grausamste Raubtier

Stadttauben werden kaum von natürlichen Fressfeinden bedroht, allerdings stellt der Mensch, als grausamster Feind der Tauben, alle Raubtiere in den Schatten. Ehrenamtliche, die sich um die vernachlässigten Haustiere kümmern, erleben immer wieder schockierende Grausamkeiten: Von Tauben, in deren Körper zahlreiche Imbissgabeln steckten, über Tiere, die durch angebundene und angezündete Feuerwerkskörper schwerste Verbrennungen erlitten, bis hin zu an den Beinen mit Kabelbindern gefesselten Tauben, die nicht mehr in der Lage waren, sich Nahrung zu suchen. Auch stundenlange Futtersuche und durch herumliegende Drähte und Schnüre verkrüppelte Beine gehören zum alltäglichen Leid der Tiere.

Während bei vielen Haustieren glücklicherweise mittlerweile ein Bewusstsein für die Würde des Tieres geschaffen wurde, begegnen viele Tauben noch immer mit Ekel, Verachtung oder Gleichgültigkeit.

Viele Kommunen setzen immer noch auf Tötungsaktionen, Abwehrvorrichtungen und Fütterungsverbote. Doch diese Maßnahmen sind meist nicht gesetzeskonform, sehr kostenintensiv, mit großem Leid für die Tiere verbunden und vor allem oftmals unwirksam. Verschiedene Untersuchungen haben gezeigt, dass die dezimierten Stadttaubenschwärme bereits nach wenigen Wochen wieder den ursprünglichen Bestand erreicht haben, teilweise sogar noch größer sind als zuvor. Tötungsmaßnahmen führen lediglich zur Verjüngung der Bestände. Das Töten von Tauben stellt außerdem einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz dar.

Tierschutzgerechte Lösungen

Die einzige wirksame und tierschutzgerechte Methode, um die Taubenpopulationen zu verkleinern und zur Gesunderhaltung der Tiere beizutragen, ist die Einrichtung betreuter, offener Taubenschläge. Dort werden die Stadttauben mit Wasser sowie artgerechtem Futter versorgt und sind vor Feinden wie Greifvögeln geschützt, sodass sie sich den Großteil ihrer Lebenszeit freiwillig im Inneren des Taubenschlages aufhalten. Die Tiere brüten in den Schlägen, allerdings werden die Eier regelmäßig durch Attrappen ausgetauscht, sodass die Tauben weiterhin bei ihrem Nest bleiben, aber ohne Nachwuchs zu produzieren. Folglich sind weniger Taubenschwärme in der Stadt zu beobachten und die Population und damit auch die Belästigung der Stadtbewohner durch bettelnde oder kranke Tauben nehmen ab.

In vielen Städten wird diese Methode, bekannt unter dem Namen „Augsburger Modell“, bereits erfolgreich durchgeführt. In anderen Regionen scheitert es allerdings an mangelndem Wissen über diese Problematik und fehlender Kooperation zwischen den Vereinen und der Stadt bzw. Gemeinde. Ein Problem ist beispielsweise die Bereitstellung von geeigneten Flächen für Taubenschläge. Die Schläge müssen dort errichtet werden, wo sich die Tauben aufhalten und nicht dort, wo sich niemand gestört fühlt. Dazu kommt die fehlende finanzielle Unterstützung der Vereine durch die Städte.