Vereinsgeschichte

Der Tierschutz Halle e.V. ist der älteste Tierschutzverein in der Region. Im folgenden erzählen wie Ihnen, wie der Verein entstand und welche Meilensteine in den letzten Jahren erreicht wurden.

Am Anfang …

… in den Zeiten der Wende, 1989/1990, gab es Hallenser, die sich nicht nur auf ihre persönlichen Geschicke konzentrierten, sondern auch das Elend ausgesetzter und verlassener Tiere wahrnahmen. Diese lebten in Abrisshäusern und verlassenen Grundstücken, waren verwahrlost, krank und hungrig.
Die Zahl dieser Tiere war so groß, dass es unmöglich wurde, sie auf Dauer alle zu Hause aufzunehmen und aufzupäppeln. Zudem waren die finanziellen Möglichkeiten der Tierfreunde beschränkt. So beschlossen sie, einen Verein zu gründen, der es ihnen ermöglichte, eine solide Basis für ihre tierschützerische Tätigkeit zu schaffen, mehr Leute anzusprechen und vor allem die prekäre finanzielle Situation durch Spenden und Fördermittel zu verbessern.
Am 3. April 1990 fand die erste Mitgliederversammlung statt, auf der die neu gefasste Satzung beschlossen wurde.

Wie ging es weiter?

In der ersten  Zeit mietete der Verein städtische Wohnungen, vorrangig zur Aufnahme von herrenlosen Katzen. Bereits 1992 konnte der Verein in der Klausstraße 11 ein Domizil beziehen und verfügte nun auch über ein erstes „Katzenhaus“ mit 2 Räumen und einem Freigehege. Das Engagement der Tierschützer konzentrierte sich aber nicht nur auf die örtliche Versorgung der Tiere. Vielmehr wurden Arbeitsgruppen gegründet, die sich um angezeigte Tierquälerei aber auch politische Themen des Tierschutzes kümmerte. Bereits damals erkannte man außerdem, dass Kinder und Jugendliche sehr zeitig mit der Arbeit des Tierschutzvereins vertraut gemacht werden sollten, damit sie ein Gefühl dafür bekommen, dass unsere tierischen Freunde ebenso ein Anrecht auf ein gewaltfreies Leben haben, wie sie selbst.
Ein immer wieder kehrendes Thema war die Finanzierung der Vereinsarbeit, aber auch der Versorgung der aktuell in der Obhut des Vereins befindlichen Tiere. Um mehr Öffentlichkeit zu erreichen, gab der Verein im Oktober 1992 sein 1. Mitteilungsblatt (heute Infobrief) heraus.

Unterstützer

Prominenteste Unterstützerin des Vereins war die hallesche Geschäftsfrau Lilly Berger, die schon 1992 eine Stiftung gründete, welche vom Verein verwaltet wird. Einmal jährlich werden aus dem Stammkapital Preise ausgelobt, die Menschen mit besonderen Verdiensten um den Tierschutz erhalten.
Unterstützung kam auch von öffentlicher Seite. So wurden ABM-Stellen, später 1€-Jobs finanziert.
Eine zeitlang beteiligte sich die Stadt Halle (Saale) auch an den Kosten der Kastration von Straßenkatzen.
Hauptsächlich jedoch leisteten Ehrenamtliche und Mitglieder vor Ort und bei der Spendensammlung Großes. Dank der Unterstützung vieler privater Spender und Spenden hallescher Firmen kann die Arbeit des Vereins gesichert werden – auch wenn Schmalhans oft Küchenmeister ist, wie man so schön sagt. Heute kommen auch viele Spenden, vor allem Futterspenden, von den örtlichen Supermärkten. Eine unschätzbare Hilfe!

Der Traum der halleschen Tierschützer wird wahr

Schon wenige Jahre nach der Vereinsgründung träumten die Mitglieder von einem eigenen Domizil, wo sie die stetig wachsende Zahl der zu betreuenden Tiere besser versorgen, aber auch nicht nur Katzen, sondern auch Hunde, Meerschweinchen, Kaninchen und sogar Vögel aufnehmen konnten.
Da 1997 das vom Verein betriebene Katzenhaus in der Linzer Straße völlig niedergebrannt war, musste dringend eine Lösung gefunden werden.
Zunächst wollte der Verein einen Gnadenhof in Bennstedt errichten. Ein geeignetes Grundstück war gefunden, die Planungen zur Gestaltung in vollem Gange, bis der Gemeinderat dem Projekt 1999 einen Strich durch die Rechnung machte.
Durch den Hinweis eines Mitglieds wurde der Verein auf das Gelände im Birkhahnweg aufmerksam, das auch heute der Vereinssitz ist. Freilich war es stark vernachlässigt und die Gebäude sehr herunter gekommen. Aber die Lage am Stadtrand, in der Nähe nur weniger Wohnhäuser war ideal. Mit Hilfe der für den Gnadenhof gesammelten Spenden und Dank zweier großzügiger Erbschaften konnte das Grundstück Ende 2002 gekauft werden.

Nun musste angepackt werden!

Im Jahr 2003 begannen die ersten Aufräum- sowie Bauarbeiten. Das Gelände musste eingefriedet werden, die Gebäude zumindest soweit instand gesetzt und renoviert, dass sie nutzbar wurden. Regenwasser, Wind und Wetter sowie der Zahn der Zeit hatten den Gebäuden ordentlich zugesetzt. Was die Vereinsmitglieder damals leisteten, kann man sich nur ansatzweise vorstellen. Reichte doch das vorhandene Geld kaum für das Material und nicht auch noch für die professionelle Arbeitsleistung. Neben vielen Arbeitseinsätzen, vornehmlich an den Wochenenden, arbeiteten zahlreiche Mitglieder, unterstützt von wenigen verbliebenen ABM-Kräften auch zahllose Stunden an den Wochentagen. Mit einem sehr gut besuchten „Tag der offenen Tür“ warb der Verein im Juli 2004 um weitere Unterstützung. Da viele Besucher ihre eigenen Tiere mitgebracht hatten, stellte sich das erste Mal ein Gefühl dafür ein, wie es einmal werden könnte. Das gab neue Kraft für den Endspurt!

Das neue Vereinsheim

Im Herbst 2004 war es dann tatsächlich so weit. Das Büro des Vereins konnte in den Birkhahnweg einziehen. Für die Mitarbeiter verbesserten sich damit die Arbeitsbedingungen auf einen Schlag.
Am 21.05.2005 wurde das neue Vereinsheim offiziell eröffnet. Nun konnte auch der Einzug der ersten Tiere erfolgen – sehr zur Freude unserer Tierschützer.
Aber auch in den Folgejahren wurde renoviert, umgebaut, erweitert… Zuletzt konnten wir im Jahr 2018 zwei Vogelvolieren fertig stellen, die postwendend von einem Schwarm Wellensittiche, Kanarienvögel und Zebrafinken bezogen wurden.
Wer unser Vereinsheim und Vereinsgelände heute – im Jahr 2019 – kennt, weiß, dass noch lange nicht alle erforderlichen Instandsetzungs- und Umbauarbeiten getan sind. Was uns all die Jahre begleitet hat, ist ein Mangel an finanziellen Mitteln und an Arbeitskräften. Aber wir geben nicht auf. Wir sammeln weiter Spenden und planen die nächsten Arbeiten für die Verbesserung unseres Vereinsheimes.

Vereinsarbeit damals und heute

Angesichts der „wilden“ Zeiten der Wende, des gesellschaftlichen Umbruchs, des immerwährenden Kampfes um finanzielle Zuwendungen und Werbung neuer Mitglieder und handfester Unterstützer ist eins erstaunlich. Immer fanden besonders engagierte Mitglieder Kraft und Zeit, auch über den halleschen Tellerrand hinaus, Tierschutzthemen national und international aufzugreifen. So arbeiteten sie mit überregionalen Tierschutzvereinigungen zusammen, informierten in jeder Mitgliederschrift und bei den Mitgliederversammlungen über Tierschutzthemen -sowohl wirtschaftlicher als auch politischer Art-, nahmen an Demonstrationen teil und organisierten Informationsstände auf öffentlichen Veranstaltungen.
Wir können heute sagen, dass diese Arbeit nicht umsonst war. Heute hat sich die Einstellung vieler Menschen zum Tier positiv verändert, wenngleich leider immer noch zu viele Tiere leiden „müssen“.
Es ist auch zu bemerken, dass mehr jüngere Menschen den Weg zum Tierschutz finden und uns tatkräftig unterstützen. Seit einigen Jahren gibt es den vereinseigenen „Mobilen Tierschutzlehrer“ (MoTi), der an halleschen Schulen und Kindereinrichtungen unterwegs ist. Auch direkt im Vereinsheim gibt es Arbeitsgruppen für Kinder und Jugendliche, denen spielerisch Tierschutz nahe gebracht wird.
Die politische Tierschutzarbeit begleiten wir immer noch. Allerdings fehlt uns die Kraft, uns genau so zu engagieren, wie es die großen Tierschutzorganisationen tun. Unser hauptsächliches Augenmerk richtet sich derzeit auf die Betreuung unserer Tiere vor Ort, die Zusammenarbeit mit anderen Tierheimen und -vereinen, die Verhinderung und Verfolgung von nicht artgerechter Tierhaltung sowie die Überzeugungsarbeit in Halle und Umgebung, dass Tiere Lebewesen mit Gefühlen sind und als solche anerkannt werden müssen.