Unsere "Notfelle"

 

Fast täglich erreichen uns Anrufe zu ausgesetzten Kaninchen, aufgefundenen Katzen oder abzugebenden Hunden. Es ist nicht schön, ein im Stadtpark oder an einer Haltestelle ausgesetztes Kaninchen einzufangen, aber meist sind die Tiere in einen recht guten Zustand und weitestgehend gesund. Und wir sind froh, dass sie nun sicher sind und in ein glückliches Zuhause vermittelt werden können.

Aber es gibt auch Fälle, da stockt uns der Atem, da kämpfen wir mit Tränen und müssen erst einmal schlucken. Ein paar dieser ergreifenden Fälle möchten wir Ihnen auf dieser Seite vorstellen. Wir möchten Sie sensibilisieren, damit Sie nicht wegschauen, wenn ein Tier in Ihrer Nachbarschaft oder in Ihrem Bekanntenkreis ebenfalls so leidet, wie es die Tiere taten, die wir Ihnen jetzt vorstellen:

 


Animal Hording-Fall

Uns erreichte am 15. Mai 2017 die Nachricht von einem riesigen Kleintier-Notfall: Das Veterinäramt hat 276 Kleintiere aus einem Animal Hording-Fall beschlagnahmt. Viele Tiere waren in unglaublich schlechtem Zustand: mit zerbissenen Ohren, eiternde Wunden und Verletzungen, trächtig oder mit Würfen, die ohne Mutter wahrscheinlich nicht überleben würden, EC, Schnupfen - und es gab viele tote Tiere in unzumutbaren häuslichen Umständen. Die überlebenden und befreiten Tiere wurden zunächst im zuständigen Tierheim untergebracht.

Der Kaninchenschutz e.V. hat beim Tierheim umgehend die Hilfe von vielen vorbereiteten Pflegestellen angeboten, um gerade die Versorgung der schwerkranken Tiere sicherstellen zu können. Das Tierheim ging jedoch während der Zeit der Beschlagnahmung der Tiere auf keines dieser Angebote ein und übernahm selbst die Versorgung der Tiere.

Durch Zufall bemerkten Aktive vom Kaninchenschutz e.V. das die Tiere im Tierheim unter unerträglichen Zuständen lebten: Da waren winzige Welpen ohne Mutter und ohne Futter in verdreckten Käfigen, viele Tiere mit frischen Bissverletzungen, vereiterten Augenentzündungen und viele Tiere in erschreckendem Zustand. Mutterlose Würfe oder Würfe mit Mutter, die kaum überleben werden. Mehrere unkastrierte Männchen saßen in zu kleinen Käfigen, so dass es zu gegenseitigen Verletzungen kam. Fast alle Tiere niesen, manche bekommen kaum Luft und haben verkrustete Näschen.

Die Aktiven vom Kaninchenschutz e.V. haben sofort reagiert und umgehend so viele Tiere wie möglich - vor allem die schwersten Fälle - mitgenommen. Wir hatten Hilfe angeboten und 26 Meerschweinchen und 13 Kaninchen aufgenommen. Vier der Schweinchendamen waren tragend.

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Das Tierheim gab Tiere in größerer Zahl an Privatpersonen - gegen entsprechende Vermittlungsgebühren. Durch den Notfall wurden unkastrierte Männchen und trächtige Weibchen vermittelt. Es ist nur dem engagierten Vorgehen der Aktiven Tieschützer vor Ort zu verdanken, mit dem sie es in einem nahezu unermüdlichen dreitägigen Einsatz geschafft haben, vom Tierheim fast alle kranken Tiere zu übernehmen und erstzuversorgen.

Es ist den vielen Helfern vor Ort, den spontan unterstützenden Fahrern und den vielen Pflegestellen, die die gesamte Notfallaktion so schnell unterstützt haben zu verdanken, dass es einem Großteil der Tiere mittlweile deutlich besser geht - zum ersten Mal in ihrem Leben werden die Tiere fürsorglich versorgt, erhalten artgerechtes Futter und die erforderliche medizinische Betreuung.

 

Der Sender VOX hat in der Sendung "hundkatzemaus" über diesen Fall berichtet: http://www.vox.de/cms/sendungen/hundkatzemaus/hundkatzemaus-videos.html.

1. Teil: Verherrende Zustände in einer Nagerzucht

2. Teil: Meerschweinche und Kaninchen in großer Gefahr

 


 

Mikado

Wir hatten kaum den traurigen Fall von Rocky und Prinz verdaut, da stand schon der nächste Notfall in der Tür:

Am 03. März 2017 bescherte uns ein kleiner Nackthund namens Mikado die größte Erschütterung der Woche.
Ein Frau hatte uns um Hilfe gebeten, da ihr Hund das Kind maßregeln und anknurren würde und sie das Tier deshalb an uns abgeben wollten. Die Bilder, die uns unsere Tierheimleiterin und unser Hundeverantwortlicher dann aber von der Abholung sendeten, konnten wir alle nicht glauben.

Es waren Bilder, die man sonst nur von Straßenhunden aus Rumänien kennt und von denen man glaubt, dass sie in Deutschland nicht passieren würden. Der kleine Mikado war buchstäblich nicht mehr als Haut und Knochen.
Darauf angesprochen bestritt die Frau alles. Man habe bereits jedes Futter versucht und mit dem Tier sei gesundheitlich alles in Ordnung.

Zudem war Mikado ein einziges Bündel Angst. Weshalb er das Kind anknurrte, wurde schnell klar, als der Spross das entkräftete Tier, das permanent am ganzen Körper zitterte und sogar kraftlos zur Seite umfiel, bedrängte.

Mikado wurde augenblicklich eingepackt und zum Tierarzt gebracht. Die Waage bestätigte das Offensichtliche: 1790g. Nicht einmal die Hälfte von dem, was der kleine Schopfhund eigentlich hätte wiegen sollen. Bereits drei Tage später wäre es vermutlich schon zu spät gewesen und Mikado wäre qualvoll verhungert.

Zum Aufpäppeln ließen wir den Kleinen vertrauensvoll in den Händen unseres Tierarztes, der sich rührend um Mikado kümmert.
Etwa eine Woche später hatte Mikado bereits 700 g zugenommen. Es gab keinerlei Probleme bei der Fütterung, Mikado aß, was man ihm hinstellte.

Gegen die ehemaligen Besitzer wird natürlich Anzeige erstattet und wir hoffen, dass das Gesetz hier das passende Strafmaß findet.

  • Mikado

 


Rocky und Prinz

Am 16. Februar 2017, erhielten wir einen überraschenden Anruf: ein auswärtiges Veterinäramt suchte dringend einen Platz für zwei Hunde, die kein lokaler Verein und kein anderes Tierheim aufnehmen konnte bzw. wollte.

Während des Telefonates stockte uns mehrfach der Atem: zwei verwahrloste Schafpudel-Rüden, lebten über zehn Jahre lang in einem Verschlag, ohne jeglichen Kontakt zur Außenwelt, ohne Kontakt zueinander.

Wir überlegten, ob wir uns dieser Aufgabe stellen konnten, doch letztlich blieb uns keine Wahl, wir wollten den beiden nicht noch mehr zumuten, sie sollten die Chance auf ein Leben bekommen. Trotz aller Bedenken entschieden wir uns noch am selben Tag die beiden Rüden aufzunehmen.

Am 17. Februar 2017 kamen Rocky und Prinz bei uns an, wir waren auf alles gefasst. Dachten wir zumindest.

Als die Türen des Wagens geöffnet wurden, schlug uns ein bestialischer Gestank entgegen. Die beiden Schafpudel-Rüden saßen in Käfigen, schmutzig, ängstlich, mit so furchtbar verfilztem Fell, uns liefen nur noch die Tränen.

Man denkt, als erfahrener Tierschützer hat man bereits alles gesehen und käme damit zurecht, aber das Elend, das die beiden erlebt haben, die Angst, die sie so oft gespürt haben müssen, den Dreck und vor allem die fehlende Liebe eines anderes Lebewesens, die sie nie selber erleben durften, das war auch für uns zu viel. Es ist kaum nachzufühlen, wie es den beiden Rüden unter diesen abscheulichen und unwürdigen Bedingungen ergangen sein musste. Wie kann man einem Lebewesen nur so etwas antun?

Wenn wir darüber nachdenken, dann schießen uns auch jetzt, fünf Tage später noch sofort Tränen in die Augen und wir verspüren eine unfassbare Wut.

Für uns steht fest, wir werden alles tun, was wir können, um den beiden Hunden endlich ein richtiges Leben zu ermöglichen, wo sie doch bisher lediglich existieren durften.

Rocky und Prinz sind Brüder, doch sie hatten nie wirklich Kontakt zueinander. Ihr Gesundheitszustand ist eher mäßig, sie leiden unter Parasiten und offenen Hautstellen, sind aber gut genährt. Sie haben Angst, sind allem und jedem gegenüber skeptisch und misstrauisch.

Ein paar Tage nach der Ankunft der beiden mussten wir sie in Narkose legen, um das verfilzte Fell zu scheren. Unter dieser Matte kamen zwei wunderschöne Rüden zum Vorschein.
Während der kalten Tage mussten Rocky und Prinz in ihren warmen Boxen bleibeb, aber kaum stiegen die Temperaturen, durften sie den Auslauf wieder nutzen und genießen ihn unheimlich. Gras unter den Pfoten und freie Bewegung sind noch immer etwas neues, wundersames für die Zwei.

Wir können heute (09. März 2017) noch nicht sagen, die beiden wären aufgetaut oder angekommen, aber sie machen Fortschritte. Über einen Futterbeutel an einer langen Leine lassen sich Rocky und Prinz bereits bis auf eine Armeslänge anlocken. Für unsere tollen Betreuer ist dies der Ansatzpunkt, um langsam ein Vertrauensverhältnis zu den Hunden aufzubauen.

An dieser Stelle möchten wir ein großes Dankeschön an die Hundetrainer, die uns beratend zur Seite stehen, an den Hundefriseur von Teddys Hundesalon und an alle Spender und Mitarbeiter richten. Ohne die Zusammenarbeit von uns allen, hätten die Fellnasen einer nicht so schönen Zukunft entgegen geblickt, wie sie das jetzt tun können. Was ihr tut bewirkt etwas! Hund für Hund, Tier für Tier werden wir die Welt ein kleines Stückchen besser machen.

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