Igel gefunden? Was nun?


 

In unserer Region werden ca. 80 % aller Igelbabys im August und September geboren. Es ist also nicht ungewöhnlich, in dieser Zeit vermehrt auf Igel zu treffen. Nicht alle Igel und auch nicht alle Jungigel, die uns begegnen, brauchen wirklich unsere Hilfe. Und bevor man sich dem Tier annimmt, sollte man prüfen, ob das Tier tatsächlich hilfbedürftig ist und ob es jemanden gibt, der sich der Pflege des Igels annehmen kann. Vor allem die Aufzucht eines Jungigels bedarf einiger Vorkenntnisse.

Sollten Sie einen Igel antreffen, der in Ihren Augen Hilfe benötigt, dann rufen Sie bitte schnellstmöglich beim Igelzentrum in Leipzig an. Die Kollegen können Sie in der jeweiligen Situation beraten: Igelschutzzentrum Leipzig unter 0341/4247662 (mit AB).

 

Welche Igel brauchen Hilfe? (von Pro Igel)



Folgende Igel sind in der Regel hilfbedürftig:

 

  • Verletzte Igel:
    Igel, die an Straßen oder Baustellen gefunden werden benötigen in der Regel Hilfe. Gleiches gilt für Tiere, die tagelang in Gruben, Schächten und ähnlichem ohne Futter und Wasser gefangen waren.
  • Kranke Igel:Igel, die tagsüber Futter suchen, herumtorkeln oder -liegen, apatisch sind, sich kaum einrollen, mager sind (Einbuchtung hinter dem Kopf, herausstehende Hüftknochen) oder eingefallene, schlitzförmige Augen haben, sind vermutlich krank. In der warmen Jahreszeit sitzen auf kranken, verletzten Igeln sowie auf Säuglingen häufig Schmeissfliegen und legen ihre Eier ab.

  • Verwaiste Igelsäuglinge:
    Igeljunge, die sich tagsüber ausserhalb ihres Nestes befinden, noch geschlossene Augen und Ohren haben und sich womöglich kühl anfühlen, sind mutterlos und benötigen dringend Hilfe.
  • Igel, die nach Wintereinbruch herumlaufen:
    Auch solche Igel findet man hauptsächlich bei Tag. Es kann sich um kranke oder schwache Alttiere handeln; öfter sind es Jungtiere, die spät geboren, evtl. auch krank sind und/oder sich wegen des geringen Nahrungsangebots im Spätherbst kein für den Winterschlaf ausreichendes Fettpolster anfressen konnten.

 

Es gibt auch Ausnahmen: Werden Laub- oder Reisighaufen entfernt, Holzstapel abgebaut, Baumaßnahmen begonnen oder stöbern Hunde herum, können dadurch Igelnester zerstört werden. Dann sucht auch ein gesundes Tier tagsüber einen neuen Unterschlupf. Manchmal wechseln säugende Igelweibchen tagsüber zwischen Aufzuchtnest und einem weiteren Tagesschlafplatz.

 

 

Erste Hilfe! (von Pro Igel)



1. Pflegeprotokoll anlegen!

Funddatum, -uhrzeit, -gewicht und genaue Fundstelle notieren. Damit beginnt das Pflegeprotokoll, in das weiterhin Gewichtszunahme, Tierarztbesuche, verabreichte Medikamente usw. eingetragen werden.


2. Geschlecht bestimmen!

Das ist vor allem bei Alttieren in den Sommermonaten wichtig, da es sich um ein säugendes Muttertier handeln kann. Zur Geschlechtsbestimmung den Igel sanft über den Rücken streicheln bis er sich ausrollt, dann mit der flachen Hand langsam in Seitenlage bringen, damit die Bauchseite sichtbar wird.

  • Männchen: Hautiger Knopf (Penisöffnung) in der Mitte der hinteren Körperhälfte.
  • Weibchen: Scheide unmittelbar vor dem After.

 

3. Igel auf Verletzungen untersuchen!

Dazu muss man auch Kopf, Bauchseite und Beine inspizieren.

 

4. Unterkühlte Igel wärmen!

Eine Unterkühlung ist vorhanden, wenn sich das Tier an der Bauchseite deutlich kälter als die eigene Hand anfühlt. Eine mit gut handwarmem Wasser gefüllte Gummiwärmeflasche umwickelt man mit einem Frotteehandtuch (ohne Aufhänger, ohne Löcher oder heraushängende Fäden - Verletzungsgefahr!) und legt sie in einen passenden, hochwandigen Karton. Darauf setzt man den Igel und deckt ihn mit einem weiteren Handtuch zu.

 

5. Außenparasiten entfernen!

In der warmen Jahreszeit findet man Fliegeneier und -maden in Wunden, aber auch in den Körperöffnungen (Ohren, Mund, After etc.) unverletzter, jedoch kranker und schwacher Tiere. Diese müssen unverzüglich entfernt werden. Fliegeneier sind weißliche, etwa 1,5 mm lange aneinanderklebende Stäbchen, Fliegenmaden kleine weißliche Würmchen. Man sammle sie sehr sorgfältig mit der Pinzette ab. Igelflöhe lassen sich am besten mit einem speziellen Spray (keinen Puder verwenden!) - aus der Zoohandlung oder vom Tierarzt - entfernen. Zecken nicht mit Öl, Nagellack oder Klebstoff behandeln! Man fasst sie mit einer Pinzette möglichst dicht an der Haut des Igels und zieht sie ruckartig heraus. Die Tiere sollten nur in absoluten Ausnahmefällen gebadet werden, denn diese Prozedur stresst sie zusätzlich.

 

6. Tierarzt und/oder Igelstation aufsuchen!

In jedem Fall und so bald wie möglich sollte man eine Igelstation und/oder den Tierarzt aufsuchen. Verletzungen zu versorgen ist Sache des Tierarztes; er hilft (wie auch die Igelstation) bei der Entfernung von Außen- und Innenparasiten. Außerdem kann er mit den entsprechenden Präparaten auch sehr geschwächten Tieren helfen. Ein kranker oder verletzter Igel ist dringend auf fachmännische Hilfe angewiesen - Unterkunft und Nahrung allein helfen ihm nicht!

 

7. Igelgehege mit Schlafhaus herrichten!

Igel sind Einzelgänger. Jeder Igelpflegling braucht also eine eigenes Gehege mit ausreichend Platz und ein Schlafhäuschen. Lesen Sie mehr über die sachgemäß hergerichtete Unterkunft.

 

8. Füttern!

Katzen- oder Hundedosenfutter oder Hackfleisch (kurz anbraten, nie roh geben!) oder Rührei (ohne Gewürze, aber mit etwas Öl in der Pfanne garen, mit der Gabel zerkleinern). Zum Trinken ein Schüsselchen Wasser (niemals Milch) hinstellen. Schwachen Tieren flößt man mittels einer Plastik-Einwegspritze (natürlich ohne Nadel!) lauwarmen, ungesüßten Fenchel- oder Kamillentee ein.

Frisst der Igel in der Nacht nach der Aufnahme nicht von selbst, ist unverzüglich der Tierarzt oder die Igelstation zu benachrichtigen, da er dann meist Flüssigkeit per Injektion oder „Zwangsfütterung“ benötigt. Neben der medizinischen Versorgung ist das A & O der Igelpflege die richtige Fütterung. 

9. Kot für Untersuchung sammeln!

Kotuntersuchungen sind bei Igeln ungemein wichtig, denn sie geben Aufschluss über die Menge und Art des Befalls mit Innenparasiten und über bakterielle Infektionen. Den Kot von zwei Tagen sammelt man in einem gut verschließbaren Gefäß (z. B. in einem Filmdöschen) und schickt ihn an ein entsprechendes Labor. Tierarzt, Igelstation und Veterinäramt nennen Adressen, nehmen manche Untersuchungen aber oft auch selbst vor.

 

10. Gesunde Igel sofort wieder freilassen!

Haben Tierarzt oder Igelstation erkannt, dass das aufgenommene Tier keiner menschlichen Hilfe bedarf, muss der Igel umgehend an seinen Fundort bzw. in dessen unmittelbare Nähe zurückgebracht werden.

 

Mehr Informationen finden Sie unter: http://www.pro-igel.de/igel_gefunden/gefunden.html

 

 

Ansprechpartner und weiterführende Links


 

  • Igelschutzzentrum Leipzig:
    http://www.igelschutzzentrum.de/

 

  • Pro Igel:
    http://www.pro-igel.de/

  • ISA Igelfreunde Sachsen-Anhalt:
    http://www.igelratgeber.de/